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Wettersteinhöhle ist erste offizielle Freizeithöhle im Naturpark
FRÄNKISCHE SCHWEIZ - Jetzt gibt es sie ganz offiziell: Die erste eigens dafür gewidmete „Feierhöhle“ im gesamten Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst. Die Rede ist von der sogenannten Wettersteinhöhle bei Leupoldstein in der Gemeinde Betzenstein. Sie wurde am Freitag, den 13.August 2010 von Dieter Preu als Leiter des Referats Karst und Höhle im Naturparkverein mit Behördenvertretern als erste offiziell gewidmete Freizeithöhle vorgestellt.
Mit solchen gewidmeten „Feierhöhlen“ will man im Rahmen des entstehenden Höhlenkonzepts, ähnlich dem des vorbildlichen Kletterkonzepts, die Feiern und Feste in Höhlen, die es natürlich schon längst im gesamten Naturpark gibt, kanalisieren. Eigentlich sollte als erste offizielle Freizeithöhle die Reipertshöhle bei Bärnfels im Landkreis Forchheim gewidmet werden. Doch dort gab es zu viele konträre Meinungen der dortigen Naturschützer. So verlautete vom Bund Naturschutz aus Forchheim, dass das Höhlenkonzept des Naturparkvereins Tür und Tor für wilde Saufgelage in den Höhlen der Fränkischen Schweiz öffne. Gerade dies will man aber mit so einem Konzept verhindern, wie auch Naturparkgeschäftsführer Wolfgang Geißner betont. Da man im Landkreis Forchheim nicht zu Rande kam, warf dies das Höhlenkonzept um zwei Jahre zurück. Das nun im Landkreis Bayreuth so eine erste Höhle für die Freizeitnutzung ausgewiesen werden konnte, dauerte laut Preu aber mit der Anhörung zahlreicher Behörden und Institutionen auch ein Jahr.

Preu lobte: „Alle Behördenvertreter im Landkreis Bayreuth standen dem aber sehr positiv gegenüber“. Der Fränkische Jura wird auch als das „Land der Höhlen“ vermarktet. „Dies zu Recht, denn im Höhlenkataster Fränkische Alb sind über 3000 Höhlen erfasst. Viele davon sind allerdings kleinere Höhlen, die nicht zum Feiern geeignet sind. Eine große Anzahl der größeren Höhlen laden aber geradezu zum Kampieren und Feiern ein. Eine Erscheinung, die in den letzten Jahren in erheblichem Maße zugenommen hat“, betont Preu. Als Folge finden sich daher in einer Vielzahl dieser Höhlen Feuerstellen, Müllablagerungen, Fäkalien und „Wandmalereien“. Dadurch werden die Natur und der Lebensraum von Pflanzen und bedrohten Tierarten nachhaltig beeinträchtigt und zerstört. Nach der Naturparkverordnung ist es aber gerade Aufgabe die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des für die nördliche Frankenalb typischen Landschaftsbildes zu bewahren. „Um dieser Aufgabe nachzukommen war es ein Gebot der Stunde, zum Schutz der landschaftsprägenden Felsformationen und der dort heimischen Flora und Fauna auch für die Höhlen im Naturparkgebiet ein Höhlenkonzept zu entwickeln“, sagt Preu.

Denn durch Verbote lasse sich das Feiern in Höhlen nicht einfach abschalten. Um das Feiern in Höhlen mit seinen negativen Auswirkungen überschaubar zu machen und steuern zu können und um die große Anzahl der Kleinhöhlen mit Feierpotential zu entlasten, werden nun Höhlen, die bereits langjährig zum Feiern genutzt werden, durch eine Fachkommission beurteilt. Dabei wird festgestellt, ob die Höhle und die Flora und Fauna dadurch erheblich beeinträchtigt werden und – das ist besonders wichtig -, ob zur Betreuung des Objektes und zur Einhaltung entsprechender Auflagen eine verantwortliche Stelle vorhanden ist.
Dies können Gemeinden, Privatleute und Unternehmen sein. Die zahlreichen Kleinhöhlen werden im Gegenzug flächendeckend auf unerlaubtes Feiern kontrolliert werden. So steht es im Höhlenkonzept. Große Höhlen, in denen organisierte Befahrungen stattfinden, werden zudem ermittelt, um dann in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und Verbänden und dem Eigentümer mit regulierenden Maßnahmen und Auflagen zu reagieren. Bernhard Nerreter vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung kündigte an, dass in nächster Zeit 150 solcher Höhlen in den Landkreisen Bayreuth und Forchheim kartiert werden sollen. Einige davon könnten dann auch als weitere Feierhöhlen gewidmet werden.

Die Prüfungskommission erstellt einen Katalog von Auflagen, den der zukünftige Nutzer der Höhle anerkennt. Eine Kaution sorgt dafür, dass die Höhle sauber verlassen wird, für die Hygiene ist die Benutzung mobiler Toilettenhäuschen obligatorisch und zum Feuerschüren darf nur unbelastetes Feuerholz verwendet werden, welches man auch beziehen kann. Die Stadt Betzenstein ist die zentrale Stelle, bei der man sich für eine Benutzung der „Wetterstein Festhalle“ anmeldet Dort erfährt man auch die anfallenden Kosten und erhält die Nutzungserlaubnis. “Wir erwarten von unserem Höhlenkonzept, dass es dazu beiträgt, den immer stärker werdenden Nutzungsdruck auf die Höhlen, sowohl von privater Seite als auch durch kommerzielle Anbieter, aufzufangen und zu lenken. Hierzu müssen wir Ventile schaffen und die dazu notwendigen Verfahren definieren. Durch verstärkte Kontrollen der Höhlen in der Fläche und mit der Schaffung von entsprechend reglementierten und kontrollierten „Feierplätzen“ kann dies erreicht werden, Verbote alleine sind hier nicht hilfreich“, so Preu, der weiter betont: „Nichts zu unternehmen würde bedeuten, die Augen vor der derzeitigen Entwicklung zu verschließen und die zunehmende Belastung der Höhlen und deren Zerstörung als Lebensraum hinzunehmen“.

Ralf-Dieter Freude vom Landratsamt betonte, dass Höhlen generell geschützte Objekte sind. Ausgewiesene Feierhöhlen seinen laut Freude daher auch kein Freibrief, denn der Schutz der Natur habe immer Vorrang. Und für Freude ist es ganz wichtig, dass immer Personen mit vor Ort sind die Verantwortung tragen. Im Falle der Wettersteinhöhle ist dies Erika Lehmann aus Leupoldstein. „Ich bin heilfroh, dass ein so breiter Konsens besteht“, betonte Betzensteins Vizebürgermeister Peter Marschall, der darauf verweist, dass das Feiern in der Wettersteinhöhle Tradition in Betzenstein habe. „Nur wenn man etwas kanalisiert, kann man es auch beherrschen“, so Marschall, der sagte, dass man Schönes wie diese Höhle aber auch schützen müsse. (Thomas Weichert)